Sie befinden sich auf der Seite Archiv der Petition Alpenruhe/Jein zum Heli.
Hier finden Sie sämtlich Fakten, die wir für die Petition Alpenruhe/Jein zum Heli zusammengetragen haben.


Aviatik

Helikoptersimulator, Bergwacht
In einem weltweit einzigartigen Hightech-Ausbildungszentrum im oberbayerischen Bad Tölz üben die Bergwacht und ihre Partner die Rettung per Hubschrauber.

Helikoptersimulator, REGA
In Zukunft können viele Trainings im Simulator durchgeführt werden, was zu einer Effizienzsteigerung führt. Dank der Möglichkeit, spezielle Verfahren und Notsituationen im Simulator zu trainieren, wird die Sicherheit zusätzlich verbessert. Durch den Einsatz des Simulators nehmen die Lärmemissionen im Zusammenhang mit Trainings ab und die Schonung der Umwelt zu. Gewisse Ausbildungen und Schulungsflüge werden jedoch auch weiterhin real trainiert werden müssen.
Bis zu Zweidrittel der Aus-, Weiterbildungs- und Checkflugprogramme können auf diesem Simulator durchgeführt und geflogen werden.

Helikoptertransporte, Ökobilanz
Eine Stunde Einsatz eines Helikopters erzeugen 55'200 UBP. Im Schnitt transportiert ein Helikopter zwischen 2 bis 6 Personen. Ein Reisebus verursacht pro gefahrenen Kilometer 57.4 UBP und transportiert zwischen 60 und 80 Personen. (Der Wert UBP 2006 quantifizieren die Umweltbelastungen durch die Nutzung von Energieressourcen, von Land und Süsswasser, durch Emissionen in Luft, Gewässern und Boden sowie durch die Beseitigung von Abfällen.)

UNESCO Welterbe Helikopterstützpunke, Flugfelder, Gebirgslandeplätze
Im oder angrenzend am Gebiet des UNESCO Welterbes Jungfrau-Aletsch befinden sich 6 Heliports, 3 Winterlandeplätze und 7 Hochgebirgslandeplätze. Diese Dichte ist alpenweit einmalig.

Akute Lärmzone
Dort wo die Täler am tiefsten und am engsten sind, wo der Lärm am stärksten widerhallt und dort, wo die Berge des UNESCO Welterbe Gebietes von Norden am spektakulärsten sind, erreicht der Fluglärm vielerorts Messwerte, die den Alarmwerten von Industriezonen entsprechen. (Die Abstufung geht über Planungs-, Grenz-, und Alarmwerte.)

UNESCO Welterbe: Rettungsstützpunkte
Der Schweizerische Interverband für Rettungswesen hält in seinen Richtlinien in Bezug auf die Hilfsfrist des Rettungsdienst¹ folgendes fest. Der Richtwert für die Hilfsfrist bei P1 Einsätzen² beträgt 15 Minuten nach Alarmierung in 90 % aller Fälle.

Nimmt man zum Beispiel den Ort Lauterbrunnen – hier ist der Lärmpegel am höchsten – und zieht einen Kreis mit 15 Minuten Flugradius, dann wird dieser Bereich durch 7 Heli-Rettungsstützpunkte abgedeckt. Auch das ist alpenweit einmalig. Hinzu kommen noch die vielen terrestrischen Ambulanzfahrzeuge.

¹ Zeitspannen zwischen dem Alarmeingang und dem Eintreffen des Rettungsdienstes am Ereignisort.
² P1 Einsätze: Sofortiger Einsatz mit Sondersignal für einen Notfall mit bestehender oder vermuteter Beeinträchtigung der Vitalfunktionen.

Luftfahrt und Nachhaltigkeit, Bestandsaufnahme-Perspektiven
Beeinträchtigung in Erholungsgebieten, Beispiel Gebirgslandeplätze.
Die soziopsychologische Erhebung BAZL (1980) kommt u.a. zum Schluss, dass zu vermuten ist, dass der Lärm der Kleinflugzeuge auch deshalb als störend empfunden wird, weil durch ihn potentielle lärmfreie Gebiete bzw. Zeiten zusätzlich belärmt werden. Es ist zu beachten, dass in einer weiträumigen Betrachtungsweise, …davon auszugehen ist, dass der Beitrag der Kleinaviatik zur Verringerung von wirklich lärmfreien Gebieten in der Schweiz überproportional hoch ist. In Ruhe- und Erholungsgebieten werden in Bezug auf die Zivilluftfahrt vor allem Helikopter und Kleinflugzeuge als störend empfunden, insbesondere wenn sie sehr tief fliegen.

Direkte und indirekte Auswirkungen auf Landschaften und Lebensräume.
Der Luftverkehr kann zu einer Beeinträchtigung von natürlichen Lebensräumen führen. Vor allem Wildtiere und Vögel können durch optische und akustische Einflüsse gestört werden. Negative Folgen hat der Luftverkehr auch indirekt, indem Erholungsräume gestört werden und der Erholungswert von Landschaften vermindert wird. Zu Störungen von Landschaften und Lebensräumen führen vor allem Flugbewegungen auf Heliports, Gebirgslandeplätzen, usw., aber auch die allgemeine Luftfahrt (u.a. Kleinaviatik) in sensiblen Gebieten mit besonderem Ruhebedürfnissen.

Von den 42 Gebirgslandeplätzen befinden sich 16 innerhalb eines BLN-Objekts und ein Landplatz innerhalb einer Moorlandschaft von nationaler Bedeutung (MLI). Mehr als 40% aller Flugbewegungen auf Gebirgslandeplätzen fanden 2004 auf Landeplätzen in BLN-Objekten statt. Dieser Indikator (Landeplätze und Flugbewegungen in BLN-Objekten) zeigt den Einfluss des Flugverkehrs auf gefährdete bzw. schützenswerte Lebensräume in den Alpen.

Von den 42 Gebirgslandeplätzen sind 36 für Heliskiing geeignet. Da Wildtiere und Vögel besonders bei Helikopterüberflügen starke Reaktionen zeigen, wirkt sich diese rein touristische Nutzung in sensiblen Gebieten entsprechend nachteilig aus und muss aus rein ökologischer Sicht als fragwürdig bezeichnet werden.


In Zukunft nicht abnehmen werden die Probleme im Bereich Natur und Landschaft, weil die Flugbewegungen insgesamt zunehmen und die Bewegungen in den Bereichen Kleinaviatik und Helikopter zumindest konstant bleiben werden. Vor allem aber wird sich die zunehmende Sensibilität der Menschen auf Störungen von Natur- und Erholungsräumen noch verstärken und das Bedürfnis nach ungestörten Erholungsräumen erhöhen. Eine wichtige Rolle kommt dabei denjenigen Landeplätzen zu, die sich in sensiblen Räumen befinden. Dies trifft auf einen Grossteil der Gebirgslandeplätze zu. Zu beachten sind aber auch die Aussenlandeplätze für Helikopterflüge.

Nachhaltigkeit im Luftverkehr NHL Synthese 2008
In Zukunft können diese Belastungen noch zunehmen (u.a. höhere Sensibilität der Menschen, aber auch Zunahme der gesamten Anzahl Flugbewegungen). Entscheidend wird sein, wie die Politik bestehende Vorschriften zum Schutz von Natur und Landschaften umsetzt und ob weitere Massnahmen zur Beschränkung der Belastung in sensiblen Gebieten eingeführt werden.



Gerichtsentscheide

Kanton Wallis: Gerichtsentscheid Gebirgslandeplätze Wallis Südost
Bereits aufgrund der Verfassung hat der Bund bei der Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf die Anliegen des Natur- und Heimatschutzes zu nehmen und namentlich Landschaften und Naturdenkmäler zu schonen (Art. 78 Abs. 2 BV). Art. 2, Abs. 1, Bst. b, NHG (?) erklärt insbesondere "die Erteilung von Konzessionen und Bewilligungen, wie zum Bau und Betrieb von Verkehrsanlagen" zu einer Bundesaufgabe. Die Lehre bejaht eine Bundesaufgabe, wenn in einem Sachbereich eine umfassende Bundeskompetenz besteht (NINA DAJCAR, Natur und Heimatschutz Inventare des Bundes, Zürich 2011, S. 42, mit weiteren Hinweisen).



Leitbild Luftverkehr Kanton Bern

Kanton Bern: Leitbild Luftverkehr
Ziele
1. Erhalten und Optimieren der Möglichkeiten für Rettungsflüge und Materialtransporte im Berggebiet im öffentlichen Interesse.
2. Bedarfsgerechte und optimale Versorgung des Kantonsgebietes mit Helibasen, indem die Besonderheiten des Helikopterverkehrs berücksichtigt und einschränkende Kriterien angewandt werden.
3. Begrenzung der Umweltbelastungen mittels Eckwerten (Korsett).
4. Minimierung der Beeinträchtigung von Wohn- und Erholungsgebieten sowie der Lebensräume von Tieren durch Lärmemissionen.

Konflikte
Helikopterflugfelder verursachen für Mensch und Umwelt Beeinträchtigungen, namentlich durch
• Rundflüge;
• Personentransporte auf Gebirgslandeplätze;
• die Bewilligungspraxis für Aussenlandungen;
• übungsflüge über geschützten oder sensiblen Naturlandschaften.

Der Kanton erwartet vom Halter und Betreiber eines Helikopterflugfeldes

• die Optimierung von An- und Abflugwegen sowie der Flughöhe zur Lärmreduktion.

• bei jedem Gesuch den Nachweis, dass der Bedarf vorhanden ist und dass die Leistung nicht von einem bestehenden Flugplatz aus erbracht werden kann.

• den Nachweis, dass keine Schutzgebiete beeinträchtigt werden und die Einordnung der erforderlichen Anlagen ins Landschaftsbild gewährleistet ist.



Natur und Heimatschutz

Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz
Das Gebiet des UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch gehört zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Im Art. 3 steht, dass die heimatliche Landschaft geschont werden und – wo das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt – ungeschmälert erhalten bleiben. Im Art. 6 steht, dass ein solches Gebiet in besonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung und die grösstmögliche Schonung verdient. Ein Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare darf bei Erfüllung einer Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden, wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegenstehen. (Anmerkung der Petition Alpenruhe: Die privaten und touristischen Flüge im UNESCO Welterbe Gebiet stellen kein nationales Interesse dar.)

Bundesinventar für Naturdenkmäler und Landschaften von nationaler Bedeutung
Das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) umfasst 162 besonders wertvolle Landschaften und Naturdenkmäler, die insgesamt rund 19% der Landesfläche ausmachen. Ihre speziellen Werte äussern sich in der Einzigartigkeit, im typischen Charakter, in der ausserordentlichen Schönheit sowie der Ruhe und Ungestörtheit. Der Bund ist gemäss NHG verpflichtet, diese Landschaften zu schützen.



Ruhe und Erholung

BAFU: Tag der Ruhe
1.3 Millionen Menschen in der Schweiz sind von übermässigem Verkehrslärm betroffen. Zuviel und stetiger Lärm beeinträchtigt unsere Lebensqualität und Gesundheit. Rückzugsmöglichkeiten in ruhige Umgebungen im Wohnumfeld, in Naherholungsgebieten und akustisch unversehrten Naturlandschaften kommen daher grosse Bedeutung zu.

Ruheinseln BAFU
Zuviel Lärm kann unsere Gesundheit auf der physiologischen, psychologischen und sozialen Ebene beeinträchtigen. Wer dauerhaft zu viel Lärm ausgesetzt ist, wird krank. Trotz beträchtlicher Sanierungsanstrengungen von Bund und Kantonen ist immer noch jede siebte Person in der Schweiz übermässigem Verkehrslärm ausgesetzt.

• Reine Natur wird knapp und dadurch wertvoller.

• Ruhe und Erholung in intakter Landschaft (Landschaftstourismus).

• Es gibt mehr Alte, weniger Junge(2020 wird 1/3 der Europäer über 50 Jahre alt sein).

cercle bruit: Gesucht: Ruhe-Inseln
In der Schweiz fühlen sich rund zwei Drittel der Bevölkerung durch Lärm gestört. Umso wichtiger, dass wir zwischendurch eine Ruhe-Insel aufsuchen können. Doch vom Lärm verschonte Erholungsräume sind immer seltener zu finden.

Wer Ruhe will muss raus aus der Stadt, so die landläufige Meinung. Doch auch in vermeintlich ruhigen Naturlandschaften breitet sich der Lärmteppich heute immer weiter aus. Optisch ist die Idylle perfekt, doch akustisch frisst sich der Lärm ins Paradies. Nicht nur in stadtnahen Naturgebieten ist dies der Fall. Auch die Bergwelt ist nicht mehr nur lauschig und still.

Fluglärm erhöht Risiko für Herzinfarkt
Starke Fluglärmbelastung über eine lange Zeitdauer kann tödlich enden: Personen, die Fluglärm ausgesetzt sind, haben gegenüber nicht Betroffenen ein erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben. Diesen Zusammenhang haben Forschende der Universität Bern in einer schweizweiten Studie nachgewiesen.

Lärm steigert das Herzinfarkt-Risiko, Spiegel Online
Ständiger Lärm ist einer aktuellen Studie zufolge gefährlicher als bisher vermutet. Die Untersuchung von 4000 deutschen Patienten ergab, dass der Krach durch Autos und Flugzeuge das Herzinfarkt-Risiko um rund 50 Prozent steigert.

BFU Dossier Lärm Soziale und Wirtschaftliche Folgen
Lärm ist der grösste Feind von Wohnquartieren: Er verstärkt Aggressionen, fördert die Vereinzelung und führt zur sozialen Entmischung in Wohngebieten bis hin zu Slum-Erscheinungen. An lärmigen Verkehrsachsen leben vor allem Randgruppen oder Leute mit geringem Einkommen. Wer es sich leisten kann, zieht in ruhigere Wohngegenden.

Lärm verursacht hohe Kosten
Lärm kostet nicht nur Nerven, Lärm kostet auch Geld: indirekt in Form von Gesundheitskosten und Mieteinbussen. Und direkt als Kosten für Lärmbekämpfungsmassnahmen. Der Strassen- und Schienenverkehr sind die Hauptverursacher des Lärms. Die indirekten, also die externen Lärmkosten des Strassen- und Schienenverkehrs in der Schweiz belaufen sich jährlich auf knapp eine Milliarde Franken. Für Lärmsanierungen werden hingegen nur rund 160 Millionen Franken pro Jahr aufgewendet. Diese werden hauptsächlich für Lärmschutzwände oder den Einbau von Schallschutzfenstern eingesetzt.



Stellungnahmen der Kantone zu der Bedeutung touristischer Flüge

Kanton Uri und Obwalden: Nein zu Heliskiing bei Engelberg, NZZ 25.05.11 I
Kritik aus Uri
Die Urner Regierung lehnt in ihrer Stellungnahme von Mitte April sowohl ein Ausbildungs- und Trainingsgebiet als auch einen neuen Gebirgslandeplatz für Heliskiing im Gebiet Grassen, Chli und Gross Spannort ab. Dies würde das Gebiet mit Lärm belasten, was nicht mit den Schutzzielen zu vereinbaren sei. Durch Heliskiing wären sehr grosse und auch bedeutsame Wildeinstandsgebiete tangiert, heisst es. Das wertvolle, alpine Ruhegebiet sei auf Urner Seite frei von technischen Infrastrukturanlagen und weise nur einen sanften Wander- und Skitourentourismus auf.

«Grosse Vorbehalte» meldet auch die Obwaldner Regierung an.
Begründet wird dies mit den zusätzlichen Umweltbelastungen, «ohne dass diesen ein offensichtlicher touristischer Nutzen gegenüberstünde», wie der Obwaldener Regierungsrat dem Bundesamt für zivile Luftfahrt schreibt. Es müssten erhebliche Immissionen in einem bisher ruhigen Gebiet erwartet werden. Die Wildtiere würden durch die Freerider in einem viel grösseren Gebiet als den Landeplätzen gestört.

Kanton Uri: Stellungnahme zu neuen Helilandeplätzen
Ausbildungs- und Trainingsgebiet für Schulungsflüge im Gebiet Grassen, Chli und Gross Spannort: Im Kanton Uri werden bereits heute häufig militärische Schulungsflüge und Trainings durchgeführt, teilweise auch mit grossen Helikoptern. Dies führt teilweise zu Störungen für Wildtiere, insbesondere wenn Helikopter unvermittelt über Kreten oder zu nahe an die Hänge fliegen und Schwebeübungen machen. In solchen Situationen flüchtet das Wild talwärts, meist ins Waldgebiet. Beunruhigte Tiere verbrauchen viel Energie und müssen dadurch vermehrt Nahrung suchen, was zu Schäden im Wald führt. Teilweise verenden die Wildtiere durch den Energieverlust. Das Gebiet Grassen, Chli und Gross Spannort ist aufgrund der Höhenlage und der natürlichen Gegebenheiten (Gletscher und Firn) kein Haupteinstandsgebiet von Schalenwild. Selbstverständlich finden sich trotzdem Wildtiere wie Schneehasen oder Schneehühner. Eine zusätzliche Belastung des Gebiets Grassen, Chli und Gross Spannort für Schulungsflüge und Trainings lehnt der Regierungsrat ab.



Tourismus

Der Tourismus als Motor für den Nutzungswandel im Gebirgsraum
Die langfristige Sicherung des Berggebietes als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum kann für grosse Teile des Berggebietes ohne Tourismus nicht erreicht werden. Der Tourismus ist Lebensnerv und damit Motor für den Nutzungswandel. Es besteht aber eine gewisse Gefahr, dass die Sicherung auch mit dem Tourismus nicht erreicht wird, dann nämlich, wenn der Tourismus seine eigenen Grundlagen - die Landschaft und die kulturelle Eigenart – zu schnell verändert oder gar zerstört. Echte Alternativen zum Tourismus gibt es kaum. Es muss fortwährend kreativ nach Innovationen in der touristischen Entwicklung gesucht werden, um den Selbstzerstörungstendenzen entgegenzuwirken.

Strategien für einen landschaftsorientierten und nachhaltigen Tourismus
Es gibt eine «ökologisch untere Gürtellinie». Sie ist unterschritten, wenn Angebote in punkto Umweltqualität und Landschaft entweder nichts versprechen oder nicht halten, was sie versprechen. Die postmoderne Freizeitgesellschaft interessiert sich in den Ferien kaum fürökologische Fragen – gleichzeitig stehen intakte Natur und Landschaft an erster Stelle für die Wahl der Schweiz als Ferien- und Reiseziel. Jüngste Stichproben zeigen, dass in Randregionen, die vom Boom der frühen Nachkriegsjahre wenig profitierten, die aber über landschaftlich vielfältige Angebote verfügen, die Zahl der Hotelübernachtungen ansteigt.

Lärm verursacht hohe Kosten
Gewinneinbussen im Tourismus
Lärm vermindert die Lebensqualität. In der Freizeit und in den Ferien streben wir alle eine verbesserte Lebensqualität an, um uns vom Alltag zu erholen. Folglich werden lärmige Gebiete für Freizeit und Ferien gemieden. Dies wiederum führt zu Umsatzausfällen im Tourismus, zu verminderter Nutzung von Naherholungsgebieten und zu Lärmfluchtkosten. Es gibt bis heute keine Studien, die die externen Lärmkosten für Tourismus und Freizeit in der Schweiz berechnen. Abschätzungen zeigen jedoch, dass diese Kosten bis zu 100 Millionen Franken jährlich betragen könnten.

Credit Suisse: Tourismus Schweiz Wintersportorte im Wettbewerb
Das steigende Umweltbewusstsein der Bevölkerung führt dazu, dass auch "Nachhaltigkeit" zu einem immer stärkeren Vermarktungsinstrument wird. Eine intakte Natur und möglichst unberührte Landschaft sind gerade für den Alpintourismus wichtige Faktoren.

Die Zukunft des Ferienreisens - Trendstudie
Natur im Mittelpunkt Reine Natur wird knapper und dadurch wertvoller. Das Wirtschaftswachstum in Asien beschleunigt den Naturverbrauch. Intakte und unberührte Natur wird Luxus und immer öfter unter Schutz gestellt. Die Nachfrage nach ökologisch intakten, wilden Landschaften wächst. Doch der Zugang zu Biosphärenreservaten wird limitiert. Nur eine bestimmte Anzahl Besucher pro Monat erhält Zugang zu Weltkulturerbe- und Weltnaturerbe-Gebieten. Die Ferienanbieter werden verantwortlich für das richtige, nachhaltige Verhalten der Touristen.

Schweiz Tourismus: Re-Inventing Swiss Summer
Natursehnsüchte

• Vor 100 Jahren lebten nur 5% der Weltbevölkerung in Städten, 2008 waren es mehr als 50%. In den letzten 20 Jahren wuchs die urbane Bevölkerung in Entwicklungsländern im Durchschnitt um 3 Millionen pro Woche – bis 2050 werden 70% der Erdenbewohner Städter sein.

• Je mehr Menschen in Städten leben, umso mehr entfernt sich ihr Alltag von der (ursprünglichen) Natur, und umso mehr sehnen sie sich danach. Daher wird Natur erleben und geniessen als Reisemotiv in Zukunft wichtig bleiben und sogar noch wichtiger werden. Wer zu stark auf Extreme, einzelne Aktivitäten, Kundensegmente oder eine bestimmte Saison setzt, schafft Ghettos, die nur für einen kleinen Kern von leidenschaftlichen Nutzern wirklich attraktiv sind.

• Die Schweiz ist nicht trendy. Doch wenn das Neue immer schneller veraltet, wird plötzlich das Gegenteil von trendy attraktiv, nämlich Dauerhaftigkeit, zeit- und alterslose Angebote. Statt auf Hypes zu setzen, müssen neue Klassiker erfunden werden. Die Schweiz hat hier den grossen Vorteil, dass vieles geworden, historisch gewachsen und nicht einfach mit viel Marketingbudget gemacht worden ist. Neue, häufig artifizielle Destinationen, die nur mit Marketingpower aus dem Boden gestampft werden, ziehen eine andere Kundschaft an. Sie mögen temporär als trendy gelten, haben aber weder die verlinkte Infrastruktur noch die Fitness, langfristig zu überleben und sich anzupassen. Wer eine Destination neu positionieren will, muss sich an der langsamen, nicht an der schnellen Kultur orientieren – genau wie ein Unternehmer: Wer eine Firma verstehen und erfolgreich verändern will, darf sich nicht nur an den letzten Quartalsabschlüssen orientieren. Denn die langsame Kultur bildet die Basis, erzeugt die Mythen und Bilder, die das Image einer Destination prägen und von welchen letztlich abhängt, ob ein neuer Trend nur kurzfristige Hypes produziert oder nachhaltige Veränderungen bewirkt.

Natur- und kulturnaher Tourismus in Graubünden
Diverse Trendstudien für den Tourismus zeigen, dass immer mehr Gäste in den Ferien das authentische Natur- und Kulturerlebnis suchen. Es wird ein deutlicher gesellschaftlicher Wertewandel hin zu Ruhe und Stille, Zeit und Musse, Umwelt, Gesundheit und Nachhaltigkeit sichtbar, der für das Segment des natur- und kulturnahen Tourismus von grösster Bedeutung ist, weil die natürlichen und kulturellen Attraktionen diese Werte verkörpern und transportieren. Die Konsumforschung spricht in diesem Zusammenhang unter anderem vom wachsenden Segment des lifestyle of health und sustainability (LOHAS), jene Bevölkerungsgruppe, die in ihrem Konsumverhalten verstärkt auf Gesundheit und Nachhaltigkeit achtet (Wenzel et al. 2007).

Graubünden ist, was die Natur- und Kulturwerte betrifft, ein ausgesprochen vielfältiger Kanton und wird von aussen auch als solcher wahrgenommen. Darum werden gerade in der Tourismusbranche auch die imageprägenden Elemente wie intakte Natur und Kultur in den diversen Kommunikationsmedien überdurchschnittlich oft als Verkaufsargument und Reisemotiv in den Vordergrund gestellt. Dies bedeutet, dass Natur und Kultur nicht nur entscheidende Faktoren für den ländlichen Tourismus darstellen, sondern eben auch für die wertschöpfungsintensiven Tourismusräume von zentraler Bedeutung sind. Insbesondere im potenzialstarken Sommertourismus gewinnt der natur- und kulturnahe Tourismus Marktanteile. Aber auch vermehrt im für Graubünden klassischen Wintertourismus, der in den letzten Jahren aus diversen Gründen an die ökonomischen und infrastrukturellen Wachstumsgrenzen stösst, wird die Vermittlung und Angebotsgestaltung im Natur- und Kultursegment wichtiger.

Kanton Bern: Touristischer Interessennachweis von Heliskiing
Bedeutung für die Region Aletsch-Susten
Heliskiing hat in beiden Regionen über alles betrachtet eine geringe touristische Bedeutung.

Innertouristische Konfliktfelder, Lärmbelastung Helibasen:
Vor allem im Lauterbrunnental mit den zwei Basen Lauterbrunnen (Air-Glaciers) und Gsteigwiler (BOHAG) ist der Fluglärm ein relevantes Problem. Obwohl sowohl die Basis Lauterbrunnen wie Gsteigwiler am Rande der entsprechenden Ortschaften liegen, ist der Lärm topografisch bedingt gut wahrnehmbar (Trog-Tal). Die Minimierung der Flugimmissionen ist folglich ein Dauerthema. Nicht zufällig wurde deshalb ein Verein gegen den Helikopterlärm im Lauterbrunnental gegründet.

Kanton Wallis: Touristischer Interessennachweis von Heliskiing
Bedeutung: Die grob geschätzte direkte Wertschöpfung liegt bei ca. 6 bis 7 Mio. Franken pro Jahr (ca. ein Promille der touristischen Wertschöpfung). Hauptprofiteure sind die Helikopterunternehmen sowie die Bergführerschaft. Geografisch haben Zermatt (Wallis-Südost) und Verbier (Wallis-Südwest) den grössten direkten Nutzen. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Heliskiing-Kundschaft sehr mobil ist. Entsprechend können die Nutzen nur bedingt einzelnen Region zugewiesen werden resp. fallen überregional an.

Geringe Wertschöpfung durch Heliskiing im Wallis
Der Kanton Wallis hat 19 Gebirgslandeplätze unter die Lupe genommen. Im Zentrum stand die Frage, wie wichtig diese Landeplätze für den Walliser Tourismus sind. Sie dienen auch dem umstrittenen Heliskiing.

Verzicht auf den Heliport im Val Müstair, Kanton Graubünden
Der regionale Naturpark Biosfera Val Müstair beruht auf der im kantonalen Richtplan festgelegten Strategie für Regionalparks und ist mit den betroffenen Bundesstellen abgestimmt. Der Betrieb eines Heliports wäre mit den Zielen des Naturparks nicht vereinbar, weshalb Gemeinde und Kanton auf eine solche Anlage verzichten wollen.

Plausibilisierung der Nutzenschätzung Landschaft für den Tourismus
Die Folgen einer Qualitätsabnahme der Landschaft - ein illustratives Szenario
Im Sinne einer illustrativen Darstellung wird in einem angenommenen Szenario unterstellt, die Landschaftsqualität in der Schweiz würde abnehmen und unter die Landschaftsqualität der Konkurrenzdestinationen sinken. Bei diesem Szenario mit den hier angenommenen Nachfrageelastizitäten bezüglich Landschaftsqualität sinken die Konsumausgaben um 1.84 Mrd. CHF/a - 2.34 Mrd. CHF/a. Im Tourismus gehen ca. 14'000 - 19'000 Stellen verloren.

Tourismus und nachhaltige Entwicklung, Hochschule Luzern
Der Begriff Nachhaltigkeit gewinnt in der Tourismuswirtschaft zunehmend an Bedeutung. Einerseits wächst die Nachfrage nach umwelterträglichem, sozial gerechtem und wirtschaftlich sinnvollem Tourismus, andererseits steigen die Anforderungen an eine nachhaltigere Angebotsgestaltung.



UNESCO Welterbe Jungfrau-Aletsch

Das UNESCO Welterbe
Die eindrückliche Landschaft des Welterbe-Gebiets Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch spielte eine wichtige Rolle in der europäischen Literatur, Kunst, dem Bergsteigen und dem alpinen Tourismus. Die Schönheit des Gebiets hat internationale Kundschaft angezogen und ist global als eine der spektakulärsten Bergregionen anerkannt.

Der Tourismus stellt in dieser Region eine wichtige Einnahmequelle der lokalen Wirtschaft dar. Dies führt zu Konflikten zwischen Erschliessungsprojekten und Schutzinteressen. Mit der Unterzeichnung der Charta vom Konkordiaplatz haben sich die UNESCO Welterbe-Gemeinden verpflichtet, nicht nur den Schutz des Welterbe-Perimeters, sondern auch eine nachhaltige Entwicklung in der gesamten Welterbe-Region anzustreben.

Charta vom Konkordiaplatz
Wir sind stolz darauf, dass unsere Gemeinden durch die Erweiterung zukünftig zum UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn gehören. Diese Zugehörigkeit belegt, dass wir uns bereits in der Vergangenheit zusammen mit den kantonalen und eidgenössischen Behörden sowie den Regionen und Umweltverbänden für den Schutz, die Erhaltung und Förderung dieser Landschaft eingesetzt haben. Durch die Mitunterzeichnung dieser Charta bekräftigen wir den Willen, auch weiterhin eine nachhaltige Landschaftsentwicklung anzustreben und zu unterstützen. Mit der Aufnahme in das UNESCO Welterbe würden diese Bestrebungen auf internationaler Ebene belohnt werden. Mit der Unterzeichnung dieser Charta gehen wir die Verpflichtung ein, uns auch in Zukunft für die Erhaltung unserer Umwelt zu engagieren und sie nachhaltig zu nutzen, damit wir sie in ihrer Qualität und Vielfalt den zukünftigen Generationen weiter vererben können.



Top

facebook Trägerschaft/Kontakt zurück zu noheli4fun